Geschichte

1919 Eröffnung des "Jüdischen Privatrealgymnasiums" am 1.Oktober in 1010 Wien, Drahtgasse 4 mit 122 Schülerinnen und Schülern. Da der Staat Österreich und die Gemeinde Wien nicht bereit waren, Subventionen zu leisten, musste die Schule ausschließlich von Schulgeldern, Spenden und Subventionen seitens der jüdischen Gemeinde erhalten werden. Eine ständige, bisweilen existentielle Finanzierungskrise prägte die gesamte Schulgeschichte der 1. Republik, niemals war es möglich, die Lehrergehälter am Monatsersten zu bezahlen. Das neugegründete Privatgymnasium wurde hauptsächlich von den galizischen Juden besucht, die nach dem Ende der Monarchie zu Ausländern wurden und daher nicht in öffentlichen Schulen aufgenommen wurden.

Weitere Charakteristika:

  • Koedukation im Gegensatz zu den meisten staatlichen Schulen und im Widerspruch zu den strikten Glaubensgrundsätzen;
  • Unterricht am Sonntag (statt Samstag);
  • Zusätzlicher fünf- bald vierstündiger Hebräischunterricht, der literarisch und kulturell, nicht religiös geführt wurde.
  • Hohes Niveau: Der Landesschulinspektor Oskar Benda bemerkt in einem Bericht am 10. April 1924, "dass die Anstalt hinsichtlich des Standes in den humanistischen Fächern den Durchschnitt der Bundesmittelschulen nicht nur erreicht, sondern vielfach nicht unbeträchtlich übersteigt und im allgemeinen einen Eindruck hinterlässt, den man an Privatmittelschulen zu begegnen nicht gewohnt ist."
  • Für die allgemeinen Fächer rekrutierte Direktor Dr. Viktor Kellner hauptsächlich Westjuden (aus Böhmen, Mähren oder Wien), für die jüdischen Fächer Ostjuden (Galizien).
    1921 Verleihung des (auf jeweils ein Jahr beschränkten) Öffentlichkeitsrechts.
    1923 Übersiedlung in die Castellezg. 35, 1020 Wien.
    1927 Umbenennung in Chajesrealgymnasium nach dem Tod des gleichnamigen Oberrabbiners und Schulgründers.

    Die erste Matura legen nur 27 (von 122 Schulanfängern im Jahr 1919) ab.
    1935/36 Übersiedlung des Zwi Perez Chajes Gymnasiums in die Staudingergasse, 1020 Wien. Eröffnung der Volksschule der Kultusgemeinde in der Castellezgasse 35.
    1938 Obwohl Hitler am 12. Februar die deutsche Wehrmacht einmarschieren lässt und am folgenden Tag den "Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich proklamiert, wird die (letzte) Matura noch abgehalten (das österreichische Unterrichtsministerium wird erst später vom deutschen "Ministerium für innere und kulturelle Angelegenheiten Abteilung 4, Erziehung, Kultus und Volksbildung" abgelöst). Dabei sprach Dir. Dr. Viktor Kellner folgende Worte: "Ich weiß nicht, welche Zukunft ihr vor Euch habt. Aber eines kann ich Euch mit Sicherheit sagen: Man wird länger Schma Israel als Heil Hitler sagen." Im Dezember lässt er sich pensionieren und wandert nach Palästina aus.

    Sein Nachfolger wird Dr. Emil Nohel.
    1939 Am 17.Oktober wird die Schule durch das NS-Regime geschlossen.
    1939-1941 Bis Anfang 1941 ist ein Schulbetrieb für jüdische Kinder noch möglich: Volks- und Hauptschulunterricht und Vorbereitungskurs zur Auswanderung jüdischer schulpflichtiger Kinder.
    1941-1945 Die Schule dient als Sammellager für den Transport von Juden in Konzentrationslager.
    1945-1983 Vermietung des Gebäudes an den KZ-Verband.
    1979 Planung einer jüdischen Volksschule.
    1980 Eröffnung der Volksschule 1010 Wien, Seitenstettengasse 4.
    1983 Umbau des Gebäudes in 1020 Wien, Castellezgasse 35.
    1984 Übersiedlung von Kindergarten und Volksschule. Eröffnung der 1. AHS-Klasse.
    1988 Aufstockung des Gebäudes für die AHS-Oberstufe.
    1991 Grundsteinlegung für den Zubau, Eröffnung von Parallelklassen in der Volksschule.
    1992 Erste Matura
    2006 Grundsteinlegung des ZPC Campus
    2008 Eröffnung der ZPC Schule am neuen Standort in der Simon-Wiesenthal-Gasse 3